Was ist ein freies Morphem?

Ein Morphem ist der kleinste Baustein der Sprache, der eine Bedeutung trägt. Ein freies Morphem kann im Gegensatz zu einem gebundenen Morphem alleine stehen. Freie Morpheme sind die Basismorpheme einer Sprache.

Beispiel

Freie Morpheme sind z. B. die Wörter „prima“, „Tisch“, „weil“ oder „auf“.

Das Merkmal der freien Morpheme ist, dass sie alleine stehen können. Sie benötigen also ein weiteres Morphem, um verwendet werden zu können. Das Morphem „Tisch“ kann genau so in dieser Form in einem Text auftreten. Es handelt sich bei den freien Morphemen um Simplexe. Ein Simplex ist ein Wort, das nur aus einem einzigen Morphem besteht und nicht weiter zerlegt werden kann. Freie Morpheme sind die Basismorpheme (auch: Grundmorpheme) der deutschen Sprache.

Die freien Morpheme einer Sprache kann man sich vorstellen wie eine riesige Sammlung Klemmbausteine, die alle einzeln für sich alleine vorkommen, es gibt aber auch unendliche Möglichkeiten, sie zu kombinieren.

Klemmbausteine sind wie die freien Morpheme einer Sprache. Sie kommen einzeln vor, lassen sich aber auch kombinieren.

Sind freie Morpheme Wörter?

Wahrscheinlich fragst du dich jetzt, ob „freies Morphem“ nicht einfach der Fachbegriff für „Wort“ ist. Und du hast recht, die Unterscheidung zwischen Morphem und Wort ist nicht immer leicht, da viele Morpheme gleichzeitig Morphem und Wort in einem sind. Allerdings ist der Begriff „Wort“ in der Linguistik unbrauchbar. Warum? Dazu habe ich bereits einen Beitrag geschrieben. Ich werde also nicht mehr von „Wörtern“ sprechen, sondern von Lexemen, um den Unterschied zwischen Wörtern/Lexemen und freien Morphemen zu erklären.

Dass die Unterscheidung zwischen zwei linguistischen Einheiten (freies Morphem und Lexem in diesem Fall) nicht immer leicht ist, kennt man auch von der Unterscheidung zwischen Silbe und Lexem. Oft sind Silben auch Lexeme (wie „Tisch“, eine Silbe, ein Lexem), aber halt nicht immer. Oft ist ein freies Morphem auch ein Lexem, aber nicht immer. Ein Lexem wie „Tischbein“ ist ein Lexem, besteht aber aus zwei freien Morphemen. „Tisch“ ist ein freies Morphem und „Bein“ ist ein freies Morphem, weil wir das Morphem „Bein“ auch frei in einem Satz wie: „Ich habe mir das Bein gebrochen“ verwenden können. Also, ohne dass es an das Morphem „Tisch“ gebunden werden muss. Freie Morpheme haben also immer die Möglichkeit, frei aufzutreten, können sich aber manchmal tarnen, indem sie sich trotzdem an ein anderes Morphem binden.

Welche freien Morpheme gibt es?

Neben freien Morphemen, die eine Wortbedeutung haben (kalt, Hund, spät) gibt es auch freie Morpheme, die eine grammatische „Bedeutung“ tragen. Ein Beispiel hierfür ist die Konjunktion „weil“. Sie hat keine Bedeutung wie „Tisch“ oder „Bein“, trägt aber eben eine eigene grammatische Funktion, eine grammatische Bedeutung, so zu sagen. Und da sind wir auch direkt beim Unterschied zwischen freien lexikalischen Morphemen und freien grammatischen Morphemen. Es gibt also freie Morpheme, die eine grammatische Bedeutung haben (die Konjunktion „weil“, außerdem die Artikel „der“, „die“, „das“ und Präpositionen wie „auf“) und freie Morpheme, die eine lexikalische (also Wort-) Funktion haben („prima“, „Tisch“).

Zusammenfassung

Freie Morpheme können alleine stehen. Es gibt freie grammatische Morpheme und freie lexikalische Morpheme.

Quellen

Spillmann, H. O. (2000): Einführung in die germanistische Linguistik. Langenscheidt.

Busch, A., & Stenschke, O. (2018). Germanistische Linguistik: eine Einführung. Narr Francke Attempto Verlag.

Dipper, S., Klabunde, R., & Mihatsch, W. (2018). Linguistik. Springer Berlin Heidelberg.

Vogel, P. (2010). Morphem. In E. Hentschel (Hrsg.), Deutsche Grammatik. Walter de Gruyter.

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