Was sind Frikative?

Frikative bilden eine eigene Gruppe innerhalb der Konsonanten. Es sind Reibelaute, bei denen der Luftstrom aus der Lunge durch eine Enge gepresst wird. An dieser Stelle verwirbelt sich die Ausatemluft und ein Frikationsgeräusch entsteht.

Begriff

In der Fachliteratur ist nicht einheitlich von Frikativen die Rede. Es werden auch die Synonyme „Frikativlaut“, „Reibelaut“, „Spirant“, „Engelaut“, „Konstriktiv“, „Spirans“ oder „Spirant“ verwendet.

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Wenn wir von einem Frikativ reden, dann beschreiben wir, wie auch schon bei den Plosiven, die Artikulationsart eines Konsonanten. Die Artikulationsart ist der dritte der drei Parameter, mit denen ein Konsonant beschrieben wird:

alveolarerstimmhafterFrikativ
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Wie werden Frikative gebildet?

Frikative benötigen, wie die Plosive, ein Hindernis für den Luftstrom. Im Gegensatz zu den Plosiven wird der Luftstrom aber nicht angehalten, sondern durch die Enge gepresst. Dabei entsteht ein Frikationsgeräusch, ein Reibegeräusch.

Beispiel

Stell dir vor, du hast einen Luftballon. Wenn du ihn mit einem spitzen Gegenstand zum Platzen bringst, entsteht ein Knall. Wie bei einem Plosiv. Wenn du die Öffnung mit zwei Fingern festhältst und die Luft langsam durch die Öffnung entweichen lässt, entsteht ein anderes Geräusch. Ein schrilles Pfeifen. Ungefähr so ist es auch bei den Frikativen.

Wie bei den Plosiven ist eine Engebildung an verschiedenen Artikulatoren möglich, die du in der folgenden Abbildung siehst.

Artikulationsstellen der Frikative

Bei labiodentalen Frikativen (1) wird die Enge mit der Unterlippe und den oberen Schneidezähnen gebildet. Dies sind die Laute [v] und [f].

Alveolare Frikative (2) entstehen, wenn man mit der Zunge eine Enge am Zahndamm (Alveole) bildet. Das ist bei den Lauten [s], [z], [?] und [?] der Fall.

Schließlich gibt es noch palatale Frikative (3), die im Mundraum mit Zunge und dem harten Gaumen (Palatum) gebildet werden. Im Deutschen sind das die Laute [ç] und [j].

Velare Frikative (4) werden am weichen Gaumen (Velum) gebildet. Hier haben wir den Laut [x].

Der uvulare Frikativ (5) ist der Laut [?]. Der Laut wird durch Reibung mit dem hinteren Teil der Zunge (Radix) und dem Zäpfchen (Uvula) gebildet.

Und zuletzt ein glottaler Laut (6), den man kaum hören kann. Der Laut [h] entsteht im Kehlkopf (Larynx).

Plosive und Frikative fasst man unter der Bezeichnung „Obstruenten“ zusammen. Obstruenten sind Laute, bei denen der Luftstrom ein starkes Hindernis überwinden muss.


Zusammenfassung

Frikative entstehen, wenn der Luftstrom aus der Lunge durch eine Enge im Mund- oder Rachenraum gepresst wird.

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Was sind Liquiden?

Eine Gruppe innerhalb der Konsonanten nennt man Liquide. Was unterscheidet eine Liquida von zum Beispiel einem Plosiv oder einem Frikativ?


Quellen

Eisenberg, P. (2009). Das Phonem und Graphem. In: Dudenredaktion (Hrsg.): Duden. Die Grammatik (8. überarbeitete Aufl., S. 19 – 56). Mannheim/Wien/Zürich: Dudenverlag.

Spillmann, H. O. (2000): Einführung in die germanistische Linguistik. Langenscheidt.

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