Was ist ein Morphem?

Wörter sind aus Einheiten aufgebaut, die eine Bedeutung tragen. Diese Einheiten nennt man „Morpheme“. In der Linguistik sagt man dann: Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten einer Sprache.

Begriff

Das Wort „Morphem“ stammt vom griechischen Wort „morphe“, was „Form“ bedeutet.

Lernvideo: Was sind Morpheme?

In wie viele Einheiten, die alle für sich selber eine Bedeutung tragen, kannst du den folgenden Satz zerlegen?

„Ich habe Kopfweh.“

Wahrscheinlich denkst du an: Ich / habe / Kopf / weh. „Kopf“ und „weh“ werden getrennt, da jedes Wort eine eigene Bedeutung hat. Das ist aber nicht ganz richtig. Es sind fünf Morpheme, nämlich: Ich / hab / e / Kopf / weh /.

Das Wort „habe“ besteht aus zwei Morphemen. Also aus zwei Einheiten, die jeweils eine Bedeutung tragen. Das Morphem „hab-“ bedeutet so etwas wie „Besitz“, das ist klar. Welche Bedeutung hat dann die Endung „–e“? Das wird schnell deutlich, wenn man diese Endung durch eine andere z. B. „–en“ ersetzt: Ich / hab / en / Kopf / weh. Dies ist kein akzeptabler Satz, denn die Personenangabe des Subjekts, in diesem Fall das Personalpronomen „ich“, muss im Deutschen mit der entsprechenden Person des Verbs übereinstimmen. „Ich“ verweist auf die 1. Person im Singular. Darum ist es nicht möglich, zu sagen „Ich haben Kopfweh“ oder „Ich hat Kopfweh.“

Somit trägt die Endung „–e“ in „habe“ die (grammatische) Bedeutung:

– 1. Person Singular
– Präsens
– Indikativ
– Aktiv.

Viele Wortformen bestehen aus nur einem Morphem („ich“, „bei“, „schnell“). Die meisten enthalten aber mehrere Morpheme (hab / e, schnell / er).

Expertenwissen

Eigentlich habe ich in diesem ersten Teil den Begriff „Morphem“ nicht korrekt verwendet. Man unterscheidet in der Morphologie zwischen der konkreten Form (= Morph) und dem abstrakten Morphem. Zur Unterscheidung zwischen Morph und Morphem habe ich einen separaten Artikel verfasst.

Was sind freie und gebundene Morpheme?

Schauen wir uns jetzt genauer an, wie Morpheme eingeteilt werden können. Zuerst gibt es freie Morpheme, wie zum Beispiel:

– „prima“, „Tisch“, „aus“, „das“

Diese können alleine stehen und sind frei beweglich. Das sind die, die man gut erkennen kann.

Gebundene Morpheme (gefettet), wie:

– „Tische“, „lachte“, „sagst“,

sind nicht frei beweglich und können nicht alleine stehen. Sie müssen an andere Morpheme angehängt werden. Das „–e“ von „Tische“ bedeutet „Plural“ und kann z. B. nicht einfach vor das Wort geschoben werden.

Man unterscheidet freie und gebundene Morpheme.

Morpheme teilt man aber nicht nur in freie oder gebundene Morpheme ein, sondern man unterteilt sie auch in lexikalische Morpheme und grammatische Morpheme.

Was sind lexikalische und grammatische Morpheme?

Bei lexikalischen Morphemen handelt es sich jeweils um das erste Morphem (gefettet) der Wörter:

Tische, lachte, sagst

Das sind Morpheme, die eine Bedeutung tragen, etwas Reales (Konkretes oder Abstraktes) oder Vorgestelltes (Hexe oder Einhorn) ausdrücken.

Grammatische Morpheme (gefettet) sind jeweils der letzte Teil dieser Wörter:

– Tische, lachte, sagst.

Sie geben grammatische Kategorien an: Numerus, Tempus …

Man unterscheidet lexikalische und grammatische Morpheme.

Zusammenfassung

Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten der Sprache. Ein Morphem trägt entweder eine Wortbedeutung (lexikalisches Morphem) oder eine grammatische Bedeutung (grammatisches Morphem). Morpheme teilt man in freie und gebundene Morpheme ein.

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Quellen

Spillmann, H. O. (2000): Einführung in die germanistische Linguistik. Langenscheidt.

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