Interjektionen: Ausrufewörter einfach verstehen lernen

Hast du dich jemals gefragt, was Wörter wie „Huch!“, „Aua!“ oder „Peng!“ eigentlich sind? Sie sind keine Verben, keine Nomen und keine Adjektive, und doch spielen sie eine wichtige Rolle in unserer Sprache. Die Rede ist von der Interjektion – auch bekannt als Empfindungswort oder Ausrufewort. Sie gehört zu den Wortarten im Deutschen und ist eine wirklich spannende Kategorie, die oft unterschätzt wird.

Was Interjektionen so besonders wichtig macht

Interjektionen wie „oh“, „mhm“, „wow“ oder „krass“ sind im Gespräch besonders wichtig, weil sie Gefühle, Gedanken und Gesprächsverläufe signalisieren. Es gibt extrem viele davon, ständig entstehen neue, und trotzdem werden sie von allen sofort verstanden. Vor allem Tonfall und die Situation machen ihre Bedeutung klar. Im Gegensatz zu anderen Wörtern, die Gespräche strukturieren, bilden Interjektionen eine eigene, unendlich große Gruppe. Sie sorgt dafür, dass Gespräche lebendig bleiben und man immer direkt merkt, wie jemand drauf ist.

Beleg für diese Aussagen

Norrick, N. R. (2009). Interjections as pragmatic markers. Journal of Pragmatics, 41(5), 866–891. https://doi.org/10.1016/j.pragma.2008.08.005

Die besondere Natur der Interjektion: Unveränderlich und voller Ausdruck

Was macht eine Interjektion so besonders? Nun, das Wichtigste zuerst: Interjektionen sind unveränderlich. Das bedeutet, du kannst sie nicht beugen, nicht steigern und nicht konjugieren. Sie bleiben immer in ihrer Grundform – ganz anders als zum Beispiel ein Verb, das du in verschiedene Zeitformen setzen kannst. Stell dir vor, du könntest „Aua“ in „Auaiert“ oder „Auas“ verwandeln – klingt komisch, oder? Eben!

Ein weiteres faszinierendes Merkmal ist, dass Interjektionen im Grunde keine eigene lexikalische Bedeutung im herkömmlichen Sinne haben. Sie beschreiben kein Objekt und keine Handlung. Stattdessen sind sie pure Ausdrucksträger! Sie drücken eine Fülle von Dingen aus: Empfindungen, eine Willenshaltung, eine Bewertung oder dienen als reines Signal zur Kontaktaufnahme oder -vermeidung. Manchmal sind es sogar Aufforderungen.

Die Macht der Betonung: „Hey!“ als Paradebeispiel

Wie so oft in der Sprache, spielt auch bei der Interjektion die Betonung eine entscheidende Rolle. Das macht sie so lebendig und vielseitig! Nimm zum Beispiel das kleine Wörtchen „Hey!“. Wenn du es scharf betonst, kann es eine Aufforderung zum Unterlassen sein („Hey! Lass das!“). Sprichst du es fragend aus („Hey?“), kann es ein Wunsch nach Kontakt sein. Oder es dient als Trostlaut („Hey, alles wird gut.“). Du siehst, der Kontext und die Art, wie du es sagst, verändern die Bedeutung komplett!

Woher kommt der Begriff? Eine kleine Etymologie

Der Begriff „Interjektion“ hat seine Wurzeln im Lateinischen. Er leitet sich von interiectio ab, was so viel wie „Einwurf“ bedeutet. Wenn du das hörst, fragst du dich vielleicht, was das mit einem Ausrufewort zu tun hat, oder? Nun, es lässt sich so deuten, dass eine Interjektion gewissermaßen „in“ einen Satz hineingeworfen wird – oft am Anfang oder Ende, seltener zwischen einzelnen Satzgliedern. So ist sie ein kurzer, prägnanter Einschub, der eine Reaktion oder ein Gefühl ausdrückt.

Laut dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) bezeichnet eine Interjektion ein „lautnachahmendes oder gefühlsbetontes Wort, das nicht flektiert wird und oft einen Satz oder Satzteil einleitet oder begleitet.“ Die etymologische Herkunft, so DWDS, liegt im Spätlateinischen interiectio ‚Einwurf‘, das sich wiederum aus lateinisch intericere ‚dazwischenwerfen‘ zusammensetzt – eine Verbindung aus inter ‚zwischen‘ und iacere ‚werfen‘. Diese Erklärung unterstreicht noch einmal den „Einwurf“-Charakter dieser Wortart.

Vielfalt der Interjektion: Von Symptom bis Lautmalerei

Interjektionen sind nicht alle gleich. Es gibt verschiedene Typen, die unterschiedliche Funktionen erfüllen. Nehmen wir mal „Huch!“. Das ist eine sogenannte Symptominterjektion. Sie weist auf eine bestimmte Empfindung hin – in diesem Fall meist Überraschung. Du sagst „Huch!“, weil du dich erschreckt oder überrascht hast. Es ist ein spontaner Ausdruck deines inneren Zustands.

Ein anderes Beispiel ist „Peng!“. Hier handelt es sich um die Nachahmung eines Geräusches. Solche Wörter nennen wir auch Onomatopoetika oder Lautmalereien. „Miau“, „Wauwau“, „Klonk“ oder „Boing“ fallen ebenfalls in diese Kategorie. Sie sind ein direktes Echo der Welt um uns herum.

Historische Unterteilung nach Wilhelm Wundt

Der deutsche Physiologe, Psychologe und Philosoph Wilhelm Wundt hat sich bereits 1904 in seinem Werk „Völkerpsychologie: Eine Untersuchung der Entwicklungsgesetze von Sprache“ intensiv mit der Interjektion beschäftigt. Er unterschied zwischen primären und sekundären Interjektionen. Diese Einteilung basiert darauf, wie der jeweilige Ausruf entstanden ist. Über diese grundlegende Unterscheidung hinaus lassen sich Interjektionen sogar in neun verschiedene Unterarten gliedern, die jeweils spezifische Aufgaben in der Sprache übernehmen.

Interjektionen als rhetorisches Mittel: Mehr als nur Ausrufe

Manchmal sind Interjektionen mehr als nur spontane Laute; sie können auch als bewusst eingesetztes rhetorisches Mittel dienen. Besonders in literarischen Texten findest du viele Beispiele, die Geräusche oder Laute nachbilden. Diese lautmalerischen Elemente, die eine Sonderform der Onomatopoesie darstellen, tragen wesentlich zur Atmosphäre eines Textes bei und können die Wirkung verdichten.

Schon in der Antike schätzten Dichter die Kraft solcher Klangmalereien. Und auch ein bedeutender Theoretiker des Barocks, Martin Opitz, der maßgeblich zur Etablierung des Alexandriners in der deutschen Dichtung beitrug, lobte und befürwortete klangmalerische Elemente. Er sah darin ein Mittel, den sprachlichen Ausdruck zu steigern. Wenn du also in einem Gedicht ein „Zisch!“ liest oder ein „Pling!“, dann ist das oft nicht zufällig, sondern gezielt eingesetzt, um deine Vorstellung anzuregen und den Text lebendiger zu machen.

Abgrenzung: Wann ist Lautmalerei keine Interjektion?

Obwohl viele Interjektionen lautmalerisch sind, ist nicht jedes Wort, das ein Geräusch nachahmt, automatisch eine Interjektion. Das ist ein wichtiger Unterschied! Nehmen wir das Beispiel „summen“. Das Summen der Bienen ist eindeutig ein lautmalerisches Wort, aber es ist keine Interjektion. Warum nicht? Weil „summen“ eine lexikalische Bedeutung hat und einer anderen Wortart angehört – in diesem Fall kann es als Verb oder als Nomen („das Summen“) fungieren. Eine Interjektion hingegen steht für sich, ist unflektierbar und hat keine feste, unabhängige lexikalische Bedeutung.

Fazit: Kleine Wörter, große Wirkung

Die Interjektion mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken. Doch wie du gesehen hast, sind diese kleinen Ausrufewörter unglaublich vielseitig und bedeutsam. Sie verleihen unserer Sprache Lebendigkeit, Ausdruckskraft und ermöglichen es uns, Emotionen, Reaktionen und Geräusche auf unmittelbare Weise mitzuteilen. Wenn du das nächste Mal „Oh!“, „Autsch!“ oder „Psst!“ hörst oder liest, weißt du, welche sprachliche Meisterleistung sich dahinter verbirgt!

Quellen

  • Norrick, N. R. (2009). Interjections as pragmatic markers. Journal of Pragmatics, 41(5), 866–891. https://doi.org/10.1016/j.pragma.2008.08.005
  • Wikipedia. (05.08.2025). Interjektion. In Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/interjektion
  • DWDS. (05.08.2025). Interjektion. In Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. https://www.dwds.de/wb/interjektion
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